| |
Lesesaal Archiv
März 2010 - Ein Text von einem der Preisträger des Nachwuchspreises -Literatur im Erzgebirge 2010 die anderen Preisträgertexte folgen in den kommenden Monaten.
Photo: Kristian Hahn |
|
2. Platz beim Nachwuchspreis - Literatur im Erzgebirge 2010
Epik in der Altersklasse 10 bis 14 Jahre
Theresa Haugk, Pockau, 13 Jahre
Clara
Erschöpft und verzweifelt kämpfte Clara sich durch den Tiefschnee. Sie strauchelte und fiel hin. Clara versuchte sich aufzurichten, doch vergeblich - sie war einfach zu schwach. Schluchzend hockte Clara im Schnee. Der Wind riss an ihren Kleidern und Haaren. Sie wusste, dass sie den neuen Tag nicht mehr erleben würde. Aber hier, auf dem freien Feld, wollte sie nicht sterben. Sie kroch auf allen Vieren weiter, stets gegen den Sturm ankämpfend. Zu allem Überfluss begann es jetzt auch noch zu schneien, dass Clara kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Dennoch gab sie nicht auf. Immer weiter und weiter schleppte sie sich. Ihre Hände und Füße waren wund und erfroren - Clara kümmerte es nicht. Sie wollte nur noch eins: weg von hier. Nachdem sie zwei Stunden durch den Schneesturm gekrochen war, brach sie plötzlich zusammen. Alle ihre Kräfte hatten sie verlassen. Sie war nicht einmal mehr fähig den Arm zu heben. Es hörte auf zu schneien und der Wind ließ nach. Es schien, als hielte die Welt den Atem an. Mit einer letzten Kraftanstrengung schaffte Clara es, sich auf den Rücken zu drehen. Über ihr blinkte einsam ein einziger Stern. Sie lächelte und schloss die Augen. Die gesamte Angst und Anstrengung der letzten Tage fiel von ihr ab. Ihre Gesichtszüge entspannten sich und mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen schlief sie für immer ein. |
Dichter, undurchdringlicher Nebel umgab Maxi und ihre Stute Sternenschweif. Vor einer Stunde waren sie zu einem Ausritt über die Heide aufgebrochen und sie waren schon fast zu hause gewesen, als plötzlich dieser Nebel aufgekommen war. Sternenzauber wieherte nervös. „Ssschh, meine Süße. Ganz ruhig, es ist alles in Ordnung. Hier gibt es nichts wo vor du Angst zu haben brauchst.", murmelte Maxi, ihre eigene Angst unterdrückend und klopfte beruhigend den Hals ihrer Araberstute. Es begann zu nieseln und Maxi fröstelte. Sie zog sich die Kapuze ihrer Windjacke über den Kopf. Der Nebel wurde dichter und dichter. Wenn sie die Nacht nicht hier draußen verbringen wollten, musste Maxi sich schleunigst etwas einfallen lassen. Fieberhaft überlegte sie. Plötzlich schrie Maxi auf. Vor ihnen stand ein etwa vierzehnjähriges Mädchen. Sie trug ein für diese Jahreszeit viel zu dünnes Kleid und keine Schuhe. Ihre Haut war ungewöhnlich bleich und in der Hand hielt sie eine seltsame Laterne, in der ein Stern zu funkeln schien. Nachdem Maxi den ersten Schreck überwunden hatte, fragte sie vorsichtig: „Wer bist du?" - Keine Antwort.
Maxi versuchte es in Englisch und Französisch. Verträumt strich das bleiche Mädchen über Sternenzaubers Hals. Wortlos nahm es Sternenzaubers Zügel und führte die Beiden zielstrebig durch den Nebel. Schon bald sah Maxi in der Ferne Lichter. Sie wollte sich bei dem Mädchen bedanken, doch das war genauso plötzlich verschwunden wie es aufgetaucht war. Maxi ließ Sternenzauber angaloppieren. Während sie ritt, fiel Maxi die Geschichte ein, die ihr Vater heute Morgen erzählt hatte. Sie handelte von einem Mädchen namens Clara das während des ersten Weltkriegs von ihrer Familie getrennt wurde und hier in der Heide starb ...
|
|